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Nachhaltigkeit macht Schule: Schule im Innerstetal bei BNE-Auszeichnungsveranstaltung in Göttingen

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und die Frage, wie Schule auch außerhalb des klassischen Klassenraums gestaltet werden kann, standen am Dienstag, 8. September 2026, im Mittelpunkt einer besonderen Veranstaltung in Göttingen. Im BLAB – dem Lebenswissenschaftlichen Schülerlabor der Georg-August-Universität Göttingen – kamen knapp 100 Schulen aus Südostniedersachsen zur Auszeichnungsveranstaltung „Internationale Nachhaltigkeitsschule/Umweltschule in Europa“ zusammen. Auch die Schule im Innerstetal aus Baddeckenstedt war dabei und präsentierte ihre Arbeit im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Vertreten wurde die Schule bei der Veranstaltung von der Schülersprecherin Luca Gremmel und Zoe Grace Schlüter sowie den Lehrkräften Frau Schmidt (Teamleitung BNE) und Frau Uhde. Gemeinsam nahmen sie die Auszeichnung entgegen.

Für die Schule im Innerstetal geht es bei Nachhaltigkeit längst um mehr als Mülltrennung oder Energiesparen. Die Schülerinnen und Schüler sollen selbst aktiv werden, Verantwortung übernehmen und erleben, wie Nachhaltigkeit im täglichen Schulleben funktionieren kann. Zwei Projekte standen dabei besonders im Mittelpunkt: das „Freie Klassenzimmer“ und das Projekt „Schmackofatz“.

Lernen unter freiem Himmel

Mit dem „Freien Klassenzimmer“ verfolgt die Schule im Innerstetal die Idee, Unterricht aus den gewohnten vier Wänden herauszuholen. Direkt neben dem Schulgarten ist ein besonderer Lernort entstanden, der von verschiedenen Klassen, Fächern und Lehrkräften genutzt werden kann.

Eine Pergola sorgt dabei für Schutz und macht den Platz auch bei stärkerer Sonneneinstrahlung nutzbar. Sitzgelegenheiten und die Verbindung mit dem Schulgarten schaffen eine Lernumgebung, in der Natur und Unterricht unmittelbar miteinander verbunden werden.

Ob Biologieunterricht zwischen Pflanzen und Insekten, Hauswirtschaft mit Kräutern aus dem eigenen Garten oder Kunst mit Inspiration aus der Natur – das Klassenzimmer kann dabei zum Lernort für ganz unterschiedliche Fächer werden.

Das Konzept passt damit besonders gut zum Gedanken der Bildung für nachhaltige Entwicklung: Die Schülerinnen und Schüler lernen nicht nur etwas über Nachhaltigkeit, sondern können sie unmittelbar erleben und mitgestalten.

„Schmackofatz“: Nachhaltigkeit geht durch den Magen

Auch beim zweiten Projekt, „Schmackofatz“, steht die aktive Beteiligung der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Die Projektgruppe arbeitet im Rahmen des FreiDays und setzt sich dabei mit Ernährung, Lebensmittelangeboten und der praktischen Umsetzung eigener Ideen auseinander.

Dass die Schülerinnen und Schüler dabei selbst Verantwortung übernehmen, zeigt beispielsweise eine Aktion, bei der die Projektgruppe im Rahmen des FreiDays Hotdogs für einen Euro verkaufte. Unterstützt wurde die Aktion von EDEKA Herrmann.

Damit verbindet „Schmackofatz“ wirtschaftliches und praktisches Lernen mit dem Thema Ernährung. Schülerinnen und Schüler müssen planen, organisieren, kalkulieren und gemeinsam Entscheidungen treffen. Gleichzeitig entsteht ein direkter Bezug zum Schulalltag und zur Frage, welche Lebensmittel angeboten werden und wie eine nachhaltige und bewusste Ernährung aussehen kann.

Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsaufgabe

Die Projekte zeigen, dass BNE an der Schule im Innerstetal nicht auf ein einzelnes Unterrichtsfach beschränkt ist. Viele Schülerinnen und Schüler können sich an unterschiedlichen Stellen beteiligen. Bereits beim Aufbau und der Gestaltung des Schulgartens arbeiten Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgänge mit. Auch Arbeitsgemeinschaften, Projekttage und einzelne Unterrichtsstunden werden genutzt, um die Projekte voranzubringen.

Das „Freie Klassenzimmer“ und „Schmackofatz“ stehen damit beispielhaft für einen Schulalltag, in dem Schülerinnen und Schüler nicht nur Lernende sind, sondern selbst zu Gestaltenden werden.

Denn ein nachhaltiger Schulalltag entsteht nicht allein durch einzelne Projekte. Er entsteht dort, wo Schülerinnen und Schüler erleben, dass ihre Ideen zählen, sie Verantwortung übernehmen können und Nachhaltigkeit ganz selbstverständlich Teil des Lernens und Lebens wird.

 

Auszeichnung mit bitterem Beigeschmack

Doch die Freude über die Auszeichnung wird von einer großen Unsicherheit überschattet. Ausgerechnet die Orte, für deren nachhaltige Entwicklung die Schule im Innerstetal nun ausgezeichnet wurde, könnten bald verschwinden. Der Schulgarten, die Bereiche rund um die Bienen und das „Freie Klassenzimmer“ stehen im Zuge der möglichen Neubaupläne auf dem Spiel. Für den Bau eines neuen Grundschulgebäudes droht ein großer Teil dieses wertvollen Bereichs zu verschwinden.

Was über Jahre von Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften aufgebaut und gepflegt wurde, könnte damit unwiederbringlich verloren gehen. Pflanzen, Lebensräume für Insekten und die Bienenhaltung würden ihren Platz verlieren. Noch schwerer wiegt jedoch der Verlust eines besonderen Lernortes: Das Freie Klassenzimmer ermöglicht Unterricht mitten in der Natur und macht Nachhaltigkeit für die Schülerinnen und Schüler unmittelbar erfahrbar.

Die Situation wirft daher eine widersprüchliche Frage auf: Wie kann eine Schule für ihr Engagement als Umweltschule ausgezeichnet werden, wenn gleichzeitig genau die Flächen bedroht sind, auf denen dieses Engagement gelebt wird?

Die Auszeichnung in Göttingen macht deutlich, welchen Wert die Projekte der Schule haben. Umso wichtiger ist es aus Sicht der Schulgemeinschaft, bei den weiteren Planungen genau hinzusehen und nach Lösungen zu suchen, die Neubau und Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Denn ein neues Schulgebäude sollte nicht auf Kosten dessen entstehen, was eine Schule zu einem besonderen Lern- und Lebensort macht.

Die Auszeichnung ist deshalb nicht nur ein Grund zur Freude, sondern auch ein Auftrag: Das, was Schülerinnen und Schüler hier mit viel Engagement geschaffen haben, darf nicht einfach dem Bagger zum Opfer fallen.

 

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